IFB Symposium in Innsbruck

Zwei Tage geballte Abdichtungspraxis

 

Mehr als 200 Teilnehmer kamen am 21. und 22. Februar zum 15. IFB Symposium nach Innsbruck. Mit dieser tollen Teilnehmeranzahl hat der Veranstalter des Symposiums, IFB Geschäftsführer Wolfgang Hubner, nicht gerechnet. Bei der Verabschiedung am letzten Tag hat sich Hubner bei allen helfenden und unterstützenden Personen bedankt, denn ohne Unterstützung und Mundpropaganda lässt sich solch eine Veranstaltung nicht organisieren. Das 2005 gegründete IFB organisiert jährlich die „Jahreshauptveranstaltung“, um über die neuesten Entwicklungen zu informieren und den Erfahrungsaustausch unter Fachleuten auf dem Fachgebiet „Flachdachbau und Bauwerksabdichtung“ zu fördern. Arrivierte und fachlich kompetente Vortragende referieren zu den verschiedensten technischen Themen, diesmal mit 100%igen Praxisbezug. Jeder der Referenten kommt aus der Praxis oder führt heute noch ein Unternehmen. Auch die Referenten der wissenschaftlichen Beiträge, wie z.B. Hr. Prof. Kraler er hat als junger Mann eine Tischlerlehre absolviert und war danach 4 Jahre Praxis als Geselle tätig.

 

Am 21. Februar 2019 hat Herr Dipl.-Ing. Gerald Hulka Geschäftsführer ATP architekten ingenieure, Innsbruck, die Begrüßung und Eröffnung der Veranstaltung vorgenommen. In seiner Rede hat er mehrfach betont, wie wichtig Veranstaltungen wie diese sind um die Qualifikation vom Planer bis hin zum ausführenden Unternehmen zu stärken. Den Jahresbericht des IFB für 2018/2019 präsentierte der GF des IFB Wolfgang Hubner der unter anderem auch ausführte, dass 2017/2018 ca. 400 Handwerker unterschiedliche Schulungen und Ausbildungen im IFB durchlaufen und ca. 600 Fachleute wie Architekten, Baumeister, SV uvm. Fachspezifische Veranstaltungen besuchen. Tendenz um ca. 10% pro Jahr steigend.

 

Die fachtechnischen Referate eröffnete Ing. Walter Seitl mit dem Thema „Flachdachlösungen mit Holz – Risiken, Fehler aus der Praxis und Lösungen“ Nun da gibt es schier unendlich viel Information und Gesprächsstoff der, jedoch nicht per se durch das nachwachsende Naturprodukt Holz angefacht wird sondern, weil feuchtetechnische Planungs- und Baufehler zur  Zerstörung des Baustoffes beitragen.

 

Die Lösung von Schnittstellen sind eine alltägliche Herausforderung, insbesondere für Bauspengler.  Dipl.-Ing. Wilfried Rubenz, Fachexperte für Bauspenglerarbeiten unterrichtetet die Teilnehmer/innen über spenglermäßige Dachrandabschlüsse welche funktionstaugliche Gesamtlösungen und Schnittstellen zur Feuchtigkeitsabdichtung betrafen. Anhand zweier ausgestellter Modelle konnten die Teilnehmer/innen die Verarbeitung der Anschlüsse hautnah verinnerlichen.

 

Mit viel Spannung wurde das Referat von Ing. Werner Linhart, Allgemein beeideter und gerichtlich zertifizierter Sachverständiger zu „Sonderlösungen bei bodenebenen Tür- und Fensterelementen -Risikoabschätzung und -bewertung“ erwartet. Die optisch und fachlich immer bestens aufbereitete Präsentation sowie der Praxisbezug ist bei den Zuhörern sehr gut angekommen. Zentrale Botschaft war, dass die Fenster- und Türenindustrie die Bedürfnisse der Bauwerksabdichter wahrgenommen haben und in einem gemeinsamen Richtlinien Entwurf die technische Schnittstellenstrategie der Zukunft definiert wurde.

 

Höchstes Lob und geschmackliche Anerkennung hat das Team des Messerestaurants bekommen. Nicht nur das die Tische und Räumlichkeiten sehr stimmig gestaltet waren auch die Qualität und vorbereitete Menge der Speisen wirklich top. An Herrn Wieser (Restaurantleitung) und seinem Team nochmals vielen Dank.

 

Nach dem Mittagsbuffet waren die Praktiker an der Reihe. Die Idee dazu stammt aus den vielen Feedbacks die wir im IFB in den vergangenen 15 Jahren immer wieder erhalten haben – mehr Praxis, mehr Praxis… und so war es nun auch. Die Teilnehmer/innen konnten anhand von realistischen und mit der tatsächlichen Praxis vergleichbaren Modellen, die mit allen Schichten wie z.B. diffusionshemmender Schicht, Wärmedämmung, Abdichtung samt Hochzügen und Einbauteilen während der Verarbeitung zusehen und Fragen stellen. 

 

Flachdach- und Kellerwandaufbauten wurden live auf praxisgerechten 1:1 Modellen, welche in der Messehalle aufgebaut wurden, bearbeitet. Sämtliche Arbeitsschritte sind von Fachexperten moderiert worden. Für die handwerkliche Verarbeitung stehen Ausführungsprofis, welche Österreich bei den Weltmeisterschaftsbewerben Dachdecker und Bauwerksabdichter von 2012 bis 2018 vertreten haben, zur Verfügung.  Aus Urlaubs- und Gesundheitlichen Gründen konnten leider nicht alle jungen Kollegen mobilisiert werden. Danke an die jungen Handwerker die hier in die Presche gesprungen sind und zum Teil zwei Modelle eindeckten. Begonnen wurde mit der Verarbeitung von Bitumenbahnen (Dach), am Dachmodell der WM 2014, Michael Kappel Teilnehmer der Sieger WM Mannschaft.  Klotz Florian, erfolgreicher Jungunternehmer aus Tirol, hat tatkräftig mitgearbeitet. Das Umkehrdach moderierte Ing. Raimund Ertl, den Warmdachaufbau Ing. Peter Balogh.

 

Die Verarbeitung von Bitumenbahnen am erdberührten Bauteil in Form einer Kellerwand machte Pilecky Lukas und Fabian Mächler (beide Teilnehmer der Weltmeisterschaft 2018 in Riga). Kellerwandsockel und Kellerwand, Moderation: Dr. Gernot Lindorfer

 

Nach fast 90-minütigen Praxisteil ging es im Kongressaal weiter mit den technischen Vorträgen.

Mit dem Titel „Schuld ist immer der Andere – nur gemeinsam sind wir erfolgreich“ kündigte sich Ing. Herbert Tschirk SV-Büro für Glastechnik an und brachte viele Erfahrungsbeispiele über Schnittstellen Abdichtung und Glaselemente, Wintergarten, Glasdach, Glasfassade und die eine oder anderen Anekdote, die viele Zuhörer zum Schmunzeln brachten. 

Mit dem Thema „Keine Feuchteschäden mehr“, Abdichtungen an erdberührten Wänden und am Gebäudesockel, hat Wolfgang Hubner, SV und IFB-Institut, weiter gemacht. Abgesehen von Abdichtungsschäden in horizontaler Fläche sind Anschlüsse am Gebäudesockel jene Details, denen am meisten Augenmerk geschenkt werden muss. Bei Kellersockelanschluss ist es die Verbindung der Abdichtung mit der vertikalen Betonoberfläche die vielfach Schwierungkeitenbereitet, deshalb ist jeglicher Wasseranstau im Fundamentsockelbereich zu vermeiden, wodurch der Einbau von Drainagen unerlässlich wird. Am Gebäudesockel über Gelände Oberkante ist wiederum der Schlagregen hinterlauf sichere Abdichtungsabschluss mit ausreichender Höhe das Maß der Bauschadensfreiheit.

 

In der Kaffeepause konnten sich die Teilnehmer/innen vom  Fortschritt der Verarbeitung informieren und am Dachmodell die Lichtkuppeleinfassung mit Flüssigkunststoff, dessen Moderation Norbert Hörner vornahm, besichtigen. Auch am Modell erdberührter Bauteil – Kellerwand waren die jungen Handwerker in die finale Phase der Rohreinfassung gekommen, diese wurde jedoch traditionell mit Bitumenanschlussflansch realisiert. Viele Personen nutzten die Gelegenheit, mit den Praktikern über Detaillösungen bis zum Abendessen zu diskutieren. Vorbereitet hatte die Messegastronomie eine bautraditionelle Speise und Getränk, ein Gulasch und ein Bier. Natürlich kamen auch die Vegetarier auf ihre Kosten, es gab auch Gulasch mit Fleischersatz. Viele nutzten die Gelegenheit zum Smalltalk mit Geschäftspartnern, Freunden, ausführenden Unternehmen aus den unterschiedlichsten Bundesländern. Damit aber der Abend nicht nur mit Arbeit ausklingt hat uns Isabell Pannagl Schauspielerin, Sängerin & Kabarettistin mit wirklich witzigen Kabarett Anekdoten zum Lachen aber auch mit der einen oder anderen Botschaft zum Nachdenken gebracht.

Am Ende des 1. Veranstaltungstages hat noch eine handvoll standhafter Kolleginnen und Kollegen einen in der Raum Mitte abgestellten  Getränke Wagen umzingelt und diesen bis in die späten Nachstunden gegen wen auch immer verteidigt.

 

Am 22. Februar 2019 trafen wirklich alle Teilnehmer/innen pünktlich um 09:00 ein und gestärkt mit Kaffee und Brötchen gingen alle in den Kongresssaal. Dort durfte Wolfgang Hubner eine Zusammenfassung der Vortragsinhalte vom Vortrag präsentieren und stand für Fragebeantwortung zur Verfügung.

 

Mit viel Applaus und Anerkennung wurden die WM Mannschaften der letzten Jahre, welche die praktische Verarbeitung an den Modellen über hatten, begrüßt. Peter Amann, langjähriger Trainer und Mentor dieser Weltmeisterschaften, lobte die präzise Leistung und den Einsatz der jungen Handwerker. Immerhin haben es die 4 Mannschaften einmal zum Weltmeister, drei Mal zum Vizeweltmeister und zweimal zum Sieg in der Kür gebracht. 

 

Mit Visionen hinsichtlich der Feuchtigkeitsabdichten in Zukunft und der Digitalisierung im Arbeitsablauf des Bauwerksabdichters befasste sich der LIM Bauhilfsgewerbe Tirol Hans-Peter Springinsfeld. Er machte uns klar verständlich, auch wenn man vielleicht anfangs Neuem immer ein wenig skeptisch gegenübersteht, dass die Digitalisierung de fakto ja sowieso schon angekommen ist, wir müssen sich einfach nur darauf einlassen und Berührungsängste verlieren. Wie interdisziplinär diese Vernetzungen sein können, wurde mit vielen visuellen Beispielen untermauert.

 

Eine wahre Wissenschaft ist es mittlerweile geworden, wenn wir Feuchtigkeitseintritten auf die Spur kommen wollen. Mit diesem Thema „Dichtheitskontrollen und Monitoring, Fehlerprävention“ hat sich Christoph Plank, BSc Flachdachbau und Bauwerksabdichter auseinandergesetzt. Hr. Plank hat aufgrund seiner Tätigkeit in einem großen ausführenden Unternehmen viel Erfahrung sammeln können, mit welchen Techniken Feuchtigkeitseintritten auf die Spur zu kommen ist. In seinem Unternehmen wurden eigene Checklisten entwickelt und Dichtheitskontrollen von Dächern effizient und aussagekräftig durchzuführen.

 

„Das Flachdach im Wandel der Zeit – Ist die ÖNORM wirklich noch genug“ war die Themenstellung von DDM Dietmar Baumgartner, der mit beiden Beinen tag täglich in seinem Dachdecker, Spengler, Flachdachbaubetrieb steht. Er hat ehrlich und unverblümt, ohne Dinge zu beschönigen von seinen vielfach wirtschaftlich grenzwertigen Erfahrungen berichtet und den Zuhörern mitgeteilt, dass er eine Tages den Kampf um das Billigsein satt hatte und von nun an Flachdachkonstruktionen errichtete, die sowohl ausführungstechnisch (mit IFB- geprüften Mitarbeitern) und Materialqualität neu Maßstäbe in seinem Unternehmen gesetzt hat. Der Erfolg gibt ihm recht, mittlerweile sind die Auftragsbücher mehr als wie voll was die Schlussfolgerung zulässt, es gibt genügend Auftraggeber, und da betonte er nicht nur im Einfamilienhaussektor, sondern bei großen Wohnhausanlagen oder Bürogebäude, die mehr als nur die Mindestqualität( siehe ÖNORMEN) haben wollen.

 

Nach dem köstlichen Mittagsbuffet hatten die Teilnehmer/innen wieder die Gelegenheit Praxis zu besichtigen und ausreichend Fragen zu stellen. Die Verarbeitung von Flüssigkunststoff am Flachdach wurde am  der WM 2016 von Kappel Michael und Fabian Mächler vorgenommen. Die Moderation der Arbeitsschritte übernahm Gerhard Schön. Die Verarbeitung von Kunststoffbahnen am Dachmodell der WM 2018 wurde von der WM Mannschaft Lukas Pilecky und Dominik Wagner vorgenommen. Moderation: Peter Amann SV, Moderation: Lichtkuppeleinfassung Referent Firma Kemperol

 

In seinen Jungendjahren als Handwerker begonnen, jetzt  assoz. Prof. Dipl. Ing. Dr. Anton Kraler an der Universität Innsbruck, zuständig für das Institut für Konstruktion und Materialwissenschaften/Arbeitsbereich Holzbau eine bauphysikalische Betrachtungsweise des  Flachdaches und alles was sich darin verbirgt! Hr. Prof. Kraler zeigte unterschiedliche Details im Holzbau auf wo konstruktiv bedingt, Reduktionen in der Wärmedämmdicke vorgenommen werden müssen, in vielen Berechnungsbeispielen ob und wie hoch das Feuchteschadensrisiko sein wird. Die Schnittstelle Abdichtung – zum Holzbau hatte ZM Manfred Saurer, GF der gleichnamigen Holzbau Saurer GmbH am Plan. Aufgrund eines grippalen Infektes wurde er durch Hrn. Ing. Andreas Poberschnigg vertreten. Mit vielen schönen Design Objekten zeigte er den Teilnehmer war mit Holzbau alles möglich ist, letztendlich ist Holzbau Sauer auch in der Fomel 1 angekommen. 

 

Nach einer Kaffeepause konnten sich die Teilnehmer/innen nochmals vom  Fortschritt der Verarbeitung informieren.  Sowohl die Verarbeitung von Flüssigkunststoffen als auch die Verarbeitung von Kunststoffbahnen wurden von den Teilnehmer/innen sehr gelobt. Trainer und Mentor Peter Amann lobte die jungen Handwerker welche er als die Zukunft der Branche nennt. Ende des 2. Veranstaltungstages war um ca. 17:00 in der Messe Innsbruck. Aufgrund des ausgesprochen guten Feedbacks der Teilnehmer/innen zur Veranstaltung wird überlegt, ob es eine Weiterführung geben wird. Diskutiert wurde, ob nicht ein Jahr das Symposium in Innsbruck und das nächste Jahr in Wien stattfinden wird, so wäre für beiden Bundesländer ein Zweijahresrhythmus. Wenn dafür entschieden wird dann sehen wir einander 2021 zum IFB Symposium in Innsbruck, Wien ist mit 25.02.2020 schon fixiert.