Von der Buchhaltung zur Kostenrechnung

Damit unter dem Strich mehr übrig bleibt

Teil 2: Die stufenweise Fixkostendeckungsrechnung

 

Sie haben nun, wie im vorgehenden Beitrag beschrieben, Ihre Buchhaltung so eingerichtet, dass sie als Informationsinstrument mehr hergibt. Die Buchhaltung und auch die Bilanz ist ein Informationssystem das Antworten auf Fragen geben soll und kann. Eine mögliche Frage ist die, welchen Beitrag bspw. die Filialen zum Gesamterfolg des Unternehmens beitragen.

 

Die Rechenmethode dafür ist die stufenweise Fixkostendeckungsrechnung. Sie wird üblicher Weise in Kostenrechnungssystemen angewandt – vereinfacht kann sie aber auch aus der Saldenliste abgeleitet werden.

 

Klingt wild, ist aber einfach. Sehen Sie folgend eine Saldenliste mit erster grundlegender Untergliederung der einzelnen Konten nach Filialen und wie diese in nur wenigen Schritten in eine aussagereiche stufenweise Deckungsbeitragsrechnung umgewandelt werden kann.

Sie sehen aus der Saldenliste, dass das Unternehmen unterm Strich Verlust macht. Wo dieser entsteht ist auf den ersten Blick nicht gleich zu erkennen. Deswegen werden die Daten aus der Saldenliste herangezogen, um die stufenweise Deckungsbeitragsrechnung zu erstellen. Dabei werden in einem ersten Schritt die variablen Kosten – der Wareneinsatz – vom Umsatz abgezogen, sodass der Deckungsbeitrag I festgestellt wird. Folgend werden die Fixkosten die einer Filiale direkt zurechenbar sind abgezogen. Dann sehen Sie gleich, dass der Deckungsbeitrag II der ersten Filiale nach Abzug der Fixkosten der betreffenden Filiale einen positiven Beitrag zum Unternehmenserfolg leistet und die zweite Filiale einen negativen Deckungsbeitrag II ausweist, der den Unternehmenserfolg mindert. 

 

Durch die Messung der Wirtschaftlichkeit der einzelnen Filialen können unternehmerische Entscheidungen einfacher getroffen werden. Letztendlich werden die Deckungsbeiträge II zusammengefasst und die restlichen Fixkosten auf Unternehmensebene abgezogen (bspw. Marketing, Verwaltung). Danach muss dasselbe Betriebsergebnis wie in der Saldenliste rauskommen, mit dem Unterschied, dass die stufenweise Deckungsbeitragsrechnung Handlungsbedarf bzw. Entwicklungspotenziale aufzeigt und Ihnen die Unternehmensführung erleichtert. 

 

Bei unserem Beispiel sehen Sie, dass die zweite Filiale aufgrund des negativen Deckungsbeitrags II den Unternehmenserfolg um EUR 15.000,00 mindert. Als Konsequenz können Sie jetzt Ihre zweite Filiale schließen, sodass das Betriebsergebnis des gesamten Unternehmens positiv wird – genauer gesagt erhöht es sich um den negativen Deckungsbeitrag II. Soll die zweite Filiale nicht geschlossen werden, gilt es eine Strategie zu entwickeln, damit diese künftig auch einen positiven Beitrag zum Unternehmenserfolg liefert. 

 

Das Beispiel ist knapp und vereinfacht, kann aber feingeschliffen werden oder auch abgewandelt werden um andere Deckungsbeitragsrechnungen anzustellen, wie etwa für die Region, die Produktgruppen und vieles mehr. Den Informationsgrad bestimmen Sie nach Ihrem Informationsbedürfnis. 

 

Sind Sie sich bei der erstmaligen Erstellung der stufenweisen Fixkostendeckungsrechnung nicht ganz sicher, holen Sie sich Unterstützung von Ihrem Steuerberater. Es wird sich bald rentieren.

 

In den nächsten Wochen erfahren Sie mehr über folgende Beispiele:

• Lohnkostenkalkulation,

• Preisfindung,

• Produktdeckungsbeitrag,

• Gewinnschwellenanalyse.

 

 

Stand: 20.03.19; Haftung ausgeschlossen

 

Die anderen Teile der Artikelserie finden Sie hier: 

Prof. Mag. Rudolf Siart, Mag. René Lipkovich

Wirtschaftsprüfer und Steuerberater

 

SLT Siart Lipkovich + Team

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