EuroSkills-Finale: Russland gewinnt Medaillenwertung

Russland geht als Sieger der EuroSkills 2021 hervor: Das Team sichert sich mit 27 Medaillen Rang eins im Medaillenspiegel von World Skills Europe. Knapp vor Österreich (26 Medaillen) und Frankreich, das insgesamt 13 Medaillen verbucht.

 

Eine fulminante Schlussveranstaltung – mit rund 3.000 Besuchern – im Messe Congress Graz (MCG) markierte heute den Schlusspunkt der Berufseuropameisterschaft EuroSkills. „Es war wahrlich ein Schaulauf von beruflichen Spitzenleistungen, den wir in den letzten Tagen in Graz zu sehen bekommen haben. Mit dieser Berufs-EM haben wir die Wichtigkeit der beruflichen Ausbildung in die ganze Welt hinausgetragen“, betont Dita Traidas, Präsidentin von WorldSkills Europe. Belohnt wurden die exzellentesten Performances im Rahmen der „Closing Ceremony“ mit Edelmetall – die meisten davon sichert sich Russland: Der Gastgeber der nächsten Berufs-EM rangiert mit 13 Goldmedaillen, sechsmal Silber und achtmal Bronze Rang eins im Medaillenranking von World Skills Europe. Der Dachverband bezieht die zehn Präsentationsberufe nicht in die Wertung mit ein.

 

Österreich auf Rang zwei

Österreich belegt zum insgesamt vierten Mal Platz zwei im Medaillenspiegel: Das Team Austria holt elf Goldmedaillen, zwölf Silbermedaillen, zehnmal Bronze sowie vier „Medallion for Excellence“, die für besonders gute Leistungen vergeben werden. In den Präsentationsberufen holt Österreich zwei weitere Goldmedaillen, drei Silbermedaillen und zweimal Bronze. Knapp hinter der Alpenrepublik folgen Frankreich (13 Medaillen), die Schweiz (12 Medaillen) und Deutschland (neun Medaillen). Insgesamt wurden 15 Nationen mit Medaillen bedacht. Der „Jos de Goey“-Award für den insgesamt besten Teilnehmer wanderte nach Russland.

 

Österreich bleibt erfolgreichste Nation

Als historischer Anhaltspunkt: Sechs Mal wurden die Berufseuropameisterschaften EuroSkills bislang ausgetragen – drei Mal (2016 in Göteborg, 2014 in Lille und 2012 in Spa) stand Österreich am Ende auf Platz eins im Medaillenspiegel. Genauso oft auf Platz zwei: 2008 in Rotterdam, 2010 in Lissabon – und 2018 in Budapest. Insgesamt haben die nun 251 rot-weiß-roten Teilnehmer seit 2008 jetzt 144 Medaillen sowie 37 „Medallion for Excellence“ erarbeitet. Unterm Strich bleibt Rot-weiß-rot die damit die bislang erfolgreichste EuroSkills- Nation.

 

Sichere EM: 4.808 Corona-Tests

„Wir haben in den vergangenen sechs Jahren immer an unserem Traum von Berufseuropameisterschaften in der Steiermark, Österreich, festgehalten. Diese Woche wurden wir für unsere Mühen und Anstrengungen belohnt und durften erstmals in der Geschichte auf österreichischen Boden die Europameisterschaft der Fachkräfte austragen. Die Impulse der EuroSkills werden langfristig spürbar sein und das Image der beruflichen Ausbildung nachhaltig verbessern“, sagt Josef Herk, EuroSkills-Aufsichtsratvorsitzender und Initiator der Berufseuropameisterschaft in Österreich. Die Veranstaltung habe auch gezeigt, „dass uns nur eine Kultur des Ermöglichens selbst in herausfordernden Zeiten weiterbringt“, sagt Herk. Als Anhaltspunkt: 4.808-Corona-Tests wurden m Rahmen von EuroSkills durchgeführt – darunter kein einzig positiver Befund.

 

Flaggenübergabe

Am Ende der Veranstaltung, die mit zahlreichen Showacts und einem imposanten Rahmenprogramm aufwartete, übergab Initiator Herk die EuroSkills Flagge an St. Petersburg, dem Ausrichter der nächsten Berufs-EM, weiter. 2023 wird die nächste Berufs- EM in Russland stattfinden. Schon im kommenden Jahr werden die WorldSkills in Shanghai, China, über die Bühne gehen.

 

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Berufs-EM: drei Bildungssysteme, drei Teilnehmer, ein Ziel

Rund 400 Teilnehmer aus 22 Nationen gehen noch bis morgen in Graz bei der Berufs-EM auf Medaillenjagd. Der internationale Weg zum Berufsspektakel ist durchaus unterschiedlich.

 

Wie der Werdegang eines rot-weiß-roten Teilnehmers von der Wiege über die Lehre bis in den Job ist, weiß man zumindest oberflächlich. Der österreichische Berufs-EM- Teilnehmer und Elektrotechniker Stefan Prader geht ins Detail: „Ich habe nach der Volksschule und der Hauptschule, die damals noch nicht Mittelschule hieß, das Polytechnikum gemacht. Für mich war immer klar, dass ich mich so auf die Lehre vorbereiten werde. Im Poly konnte man sich gut Zeit nehmen, den Beruf näher kennen zu lernen, denn dazu ist dieses Jahr ja da“, sagt der Weststeirer, der gerne an seine duale Ausbildung zurückdenkt. „Ich bin ja pro Lehrjahr neuneinhalb Wochen in der Berufsschule gewesen, habe mich da voll auf die Schule konzentrieren können. Den Abschluss habe ich dann 2016 gemacht, ab dann war ich ein ausgebildeter Facharbeiter.“ Damit der 24-Jährige künftig auch ein Unternehmen leiten kann, begann er kürzlich mit der fachlichen Befähigungsprüfung am WIFI Steiermark. „Der Kurs umfasst in zehn Monaten 600 Stunden – danach kann ich ein Unternehmen leiten, wenn ich zusätzlich noch den Unternehmerschein mache. Der geht aber recht schnell, den kann man in ein, zwei Monaten schaffen.“ Die Befähigungsprüfung ist aus anderen Lehrberufen mit dem Titel des Meisters gleichzusetzen, der wiederum gleichwertig mit dem Bachelor im NQR (Nationaler Qualifikationsrahmen) auf Stufe sechs ist. „Ich könnte dann noch weitere Ausbildungen an einer Fachhochschule machen, um etwa mit Hochspannung zu arbeiten“, sagt Prader.

 

Von der Lehre bis hin zur Kraftwerks-Planung

Anders hört sich die gleiche Ausbildung in der Schweiz an, wie Elektroinstallateur Simon Koch berichtet: „Bei uns beginnt man die Schule in der Unterstufe, die fünf Jahre dauert. Danach bin ich in die Sekundarstufe gekommen, die wiederum vier Jahre dauert. Danach hat man die Möglichkeit die Matura oder die Berufslehre zu machen. Ich habe die Berufslehre gemacht und mit der Berufsmatura abgeschlossen.“ Die Lehre unterscheidet sich zu jener in Österreich in einem wichtigen Punkt: In der Schweiz verbringt man einen bis eineinhalb Tage pro Woche in der Berufsschule, den Rest im Betrieb. Umständlich? Nicht für Simon Koch: „Reine Gewohnheit, denn es war meist derselbe Wochentag, womit auch der Betrieb abschätzen konnte, wann ich nicht da bin.“ Nachdem der erste Skills-Starter der Bütler Elektro Telecom AG überhaupt (weshalb auch Simons Chef zum Wettkampf nach Graz anreisen wird) die Grundausbildung abgeschlossen hatte, begann er nun an der Fachhochschule mit einem berufsbegleitenden Studium. „Das Studium hat letzte Woche begonnen, wenn alles gut läuft, habe ich in vier Jahren den Bachelor und bin Elektroingenieur.“ Danach stehen Koch Tür und Tor offen, macht er den Meister kann er selbst eine Firma leiten, wird es der Master an der FH könnte er als Software-Techniker gar ein Kraftwerk mitplanen. 

 

Lehrlingsausbildung schon als Geselle möglich

 

Für die Italienerin Lisa Marie Winding ging es mit fünf Jahren in der Grundschule los, danach paukte sie drei Jahre in der Mittelschule, ein Jahr Grundlehrgang Berufsschule, danach vier Jahre Lehre als Friseurin. Auch hier gab es einen Tag pro Woche in der Berufsschule und vier im Betrieb. Die 24-Jährige hätte nach dem Abschluss der Lehre auch gleich ihr eigenes Geschäftslokal eröffnen können: „Wenn man die Lehre als Geselle abschließt hat man dazu automatisch die Berechtigung, früher hat man schon den Meister gebraucht, aber das hat sich geändert. Eine Anforderung ist, dass man als Geselle nur einen Lehrling in den Betrieb aufnehmen darf.“ Würde Lisa Marie den Meister machen wollen, müsste sie binnen sechs Jahren vier Prüfungen abschließen, damit dieser Titel anerkannt wird. „Hier wird wirtschaftliches Wissen gelehrt, wie auch rechtliches, pädagogisches und berufsspezifisches.“ Drei unterschiedliche Ausbildungssysteme, drei unterschiedliche Young Professionals, die bei den EuroSkills nur ein Ziel kennen: Ihr Land bestens zu vertreten und im Idealfall eine Medaille zu holen.


EuroSkills: Frauen erobern berufliche Männerdomänen

Bei der Berufs-EM 2021 sind doppelt so viele Malerinnen wie Maler am Start. Generell geht der Trend hin zu immer mehr weiblichen Fachkräften.

 

Bei den EuroSkills 2021 sind seit heute die besten Jungfachkräfte Europas auf Medaillenjagd. Dabei gehen immer mehr junge Frauen bei den rund 48 Bewerben an den Start, wie ein Blick auf die Statistik zeigt: Insgesamt sind mit 80 Teilnehmerinnen rund 21 Prozent des Starterfelds weiblich. Bei den Malern sind gar doppelt so viele Frauen (8) wie Männer am Start. Das österreichische Team umfasst sieben Teilnehmerinnen. Damit ist trotz einzelner Lichtblicke klar, dass es noch Luft nach oben gibt – vor allem im Vergleich zu den männlichen Teilnehmern: 287 junge Männer sind insgesamt mit von der Partie.

 

Weiblicher Trend zur Lehre

Dass der Berufsnachwuchs im Handwerk und in technischen Berufen weiblicher wird, zeigt auch ein Blick auf die bundesweite Lehrlingsstatistik der Wirtschaftskammer: Schon jeder zehnte weibliche Lehrling absolviert eine Lehre in bisherigen Männerdomänen wie Metalltechnik (Ende 2020 gab es in diesem Bereich bundesweit 1.081 weibliche Lehrlinge), Elektrotechnik (534 weibliche Lehrlinge), Tischlerei (467), Maler und Beschichtungstechniker (421), Kfz-Technik (344), Mechatronik (334), Karosseriebautechnik (115), Konstrukteur (91) und Elektronik (89). In Summe waren es 2020 rund 3500 junge Frauen, die bei der Berufswahl auf ein klassisches Handwerk setzen.

 

So haben sich die Lehrlingszahlen bei den jungen Frauen in den Berufsgruppen Bau/Architektur/Gebäudetechnik (von 657 auf 1.186), Elektrotechnik/Elektronik (von 295 auf 651) sowie Holz/Papier/Glas/Keramik (von 383 auf 644) seit dem Jahr 2005 verdoppelt. Noch stärker ist die Zahl der weiblichen Lehrlinge im Bereich Maschinen/Fahrzeuge/Metall gestiegen, nämlich von 854 im Jahr 2005 auf zuletzt 2.077 (2020).

 

Dementsprechend kontinuierlich steigt der Frauenanteil in den Ausbildungsbetrieben: Bei den Mechatronikern liegt er mittlerweile bei 11 Prozent, bei den Metalltechnikern 10 Prozent und bei den Tischlern sogar 14,9 Prozent. Beim neuen Lehrberuf Applikationsentwicklung/Coding sind bereits 15,3 Prozent der Lehrlinge weiblich. Besonders deutlich wird der Vormarsch der Frauen im Bereich der Metalltechnik – ein Berufsfeld, das beim Ranking der beliebtesten Lehrberufe bei Mädchen bereits auf Platz sieben rangiert. Ebenso weit vorne im Bereich der Top-Mädchen-Berufe ist Elektrotechnik (Platz 12), Tischler (Platz 15) und Maler (Platz 19).

 

„Eine Lehre ist eine perfekte Startrampe ins Berufsleben“, erklärt EuroSkills-Initiator Josef Herk. „Vielen ist gar nicht bewusst, welche Möglichkeiten dieser Berufseinstieg eröffnet. Lehrlinge und Lehrabsolventen werden von den Betrieben händeringend gesucht. Dass sich immer mehr junge Frauen für klassische Handwerks- und technische Berufe entscheiden, ist ein äußerst positives Signal“, so Herk. „Umso mehr freut es mich, dass es gelungen ist, den jungen Fachkräften bei den EuroSkills in Graz eine Bühne bieten zu können.“ In den nächsten drei Tagen rittern Europas beste Jungfachkräfte um die begehrten Medaillen, am Sonntag findet die große Schlussfeier statt.

 

Malerin Lisa Janisch, die bei den EuroSkills in Göteborg 2016 Gold holte, spricht auch als Botschafterin für die Heim-EM jungen Frauen in Männerdomänen Mut zu: „Es erfordert oft viel Mut, wenn man in so genannten Männerdomänen einsteigen will. Doch der Blick über den eigenen Tellerrand macht sich rasch bezahlt. Wir brauchen junge engagierte Frauen, die für Technik und Handwerk brennen.“


Berufseuropameisterschaft EuroSkills offiziell eröffnet

Mit einer feierlichen Eröffnung in der Grazer Stadthalle ist gestern die Berufseuropameisterschaft EuroSkills offiziell eröffnet worden. 400 Teilnehmer aus 19 Nationen sowie drei Gastländern gehen ab heute in 48 Bewerben an den Start.

 

Mit einer imposanten Eröffnungsfeier ist gestern der offizielle Startschuss für die Berufs-EM gefallen: 400 Professionisten aus 22 Ländern rittern dabei in 48 Bewerben um Edelmetall. Als Schauplatz des feierlichen Spektakels, dem knapp 3.000 Besucher beiwohnten, diente die Grazer Stadthalle: Mit einer Flaggenparade zu selbstgewählten Pop- und Rockhymnen zogen die internationalen Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf die Bühne ein – das 54-köpfige österreichische Team wählte für seinen großen Auftritt die Klänge von Falcos legendärem „Amadeus“. Jenem Song, mit die österreichische Delegation bei der letzten EM in Budapest 2018 die offizielle EuroSkills-Fahne übernahm. Im Anschluss sendete Bundespräsident Alexander Van der Bellen eine Video-Grußbotschaft. Für die Willkommensrede wurde EU-Kommissionsmitglied Nicolas Schmitt aus Brüssel zugeschaltet, WKÖ-Präsident Harald Mahrer hieß die Teilnehmer in seinem Eingangsstatement willkommen. „Gut ausgebildete Fachkräfte sind das Rückgrat der Gesellschaft und unserer Wirtschaft. Den Young Professionals in ganz Europa gehört die Zukunft“, sagt Dita Traidas, Präsidentin von WorldSkills Europe, in ihrer Eröffnungsrede.

 

Prominentes Stelldichein aus Politik und Wirtschaft

Im Vorfeld der offiziellen Eröffnung fand ein prominent besetzter VIP-Empfang mit Fördergebern, politischen Repräsentanten, Unternehmern und Wirtschaftsvertretern sowie Sponsoren und den offiziellen Delegierten statt. Neben EuroSkills-Initiator Präsident Josef Herk sprachen auch WorldSkills-Europe-Präsidentin Dita Traidas, Eurochambres-Präsident Christoph Leitl, Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer, Bürgermeister Siegfried Nagl und WKÖ-Vizepräsident Philipp Gady. „Mit der Austragung der Skills in Graz geht ein lang ersehnter Traum in Erfüllung. Hier herrscht eine Stimmung wie in einem Fußballstadion. Ein Spirit, der in den nächsten Tagen auch bei den Wettkämpfen spürbar sein wird. Einfach hinkommen und die einzigartige Atmosphäre genießen“, so EuroSkills-Initiator Josef Herk.

 

Spektakuläre Acts

Moderiert wurde die „Opening Ceremony“ von Karoline Rath-Zobernig, die von Stardesignerin Eva Poleschinski eingekleidet wurde, sowie Lukas Schweighofer, bekannt aus der TV-Sendung „Guten Morgen Österreich“. Spektakuläre Show-Acts und eine Dance Performance bildeten das stimmungsvolle Rahmenprogramm. Morgen startet der erste von drei Wettkampftagen. Der Besuch der Wettkampftage ist kostenlos, Tickets gibt es unter tickets.euroskills2021.com.