Fassadenschutz im Detail

Flüssigkunststoff-Abdichtungen verlängern Sanierungsintervalle und bilden eine wirksame Barriere gegen Feuchteeintrag

 

Bei der Abdichtung von Balkonen, Terrassen und Laubengängen stehen besonders die aufgehenden Bauteile wie Wand- und Türanschlüsse im Fokus: Sie müssen in einen funktionstüchtigen Systemaufbau eingebunden werden, damit die Fassade vor Feuchteschäden wie bröckelnder Putz, rissige Fliesen und Ausblühungen geschützt ist. Solche Szenarien entstehen, wenn es zwischen den unterschiedlichen Materialien zu witterungs- und temperaturbedingten Schwankungen kommt und die Abdichtung diesen nicht standhält. Die Herausforderung liegt in der Wahl einer maßgeschneiderten Lösung, die Sanierungsintervalle deutlich verlängert und den Wert der Immobilie langfristig sichert. Auch das Einhalten der Brandschutzbestimmungen sowie die Möglichkeit einer attraktiven Gestaltung sind essentielle Kriterien. Dafür bewähren sich in der Baupraxis vliesarmierte Abdichtungssysteme auf Polymethylmethacrylat-Basis (PMMA), die ideale Voraussetzungen mitbringen.

 

Abdichtungslösungen aus Flüssigkunststoff entsprechen den allgemein anerkannten Regeln der Technik. Einschlägige Vorschriften, die es bei der Planung und Ausführung zu beachten gilt, sind neben der Flachdachrichtlinie des Deutschen Dachdeckerhandwerks die DIN 18195 (Abdichtung von Bauwerken) sowie die neue Normenreihe DIN 18531 Teil 1 bis 5. Die Flachdachrichtlinie lässt Baustoffe wie PMMA, Polyurethanharze (PUR) und Polyesterharze (UP) als Flüssigabdichtungen u. a. für genutzte Flächen wie Balkone, Terrassen und Laubengänge zu. Sie müssen mindestens zweischichtig mit Einlage ausgeführt werden und gelten als einlagige Abdichtungen. Ergänzend sollten sie den Kriterien der Bauregelliste entsprechen sowie einen Eignungsnachweis durch eine Europäisch Technische Zulassung (ETA) auf Basis der Zulassungsleitlinie ETAG 005 erbringen. Der Anschluss an aufgehende Bauteile ist in Abs. 4.3 der Flachdachrichtlinie geregelt. Dazu heißt es in Abs. 4.3.2 (2): „Bei ausreichender Haftung mit dem Untergrund kann bei Flüssigabdichtungen auf eine mechanische Befestigung am oberen Rand verzichtet werden.“ Zudem finden sich dort Angaben zu den Anschlusshöhen, die Planer und Verarbeiter vor allem bei Bestandsbauten und bei der Herstellung barrierefreier Übergänge vor Herausforderungen stellen. Weiterhin verlangt die DIN 18195 als Verwendbarkeitsnachweis ein allgemeines bauaufsichtliches Prüfzeugnis (abP). Anwendungssicherheit verschaffen außerdem Verarbeitungsgrundsätze wie die Fachregel für Abdichtungen, die sich speziell mit flüssig aufzubringenden Verfahrenstechniken befasst.

 

Funktionalität sichern

Die Aufnahme von Flüssigkunststoff-Abdichtungen in die wichtigsten Regelwerke gewährt in der Baupraxis eine hohe Verarbeitungs- und Planungssicherheit. Denn selbst minimale Schwachstellen können die Funktionsfähigkeit des gesamten Schichtenaufbaus beeinträchtigen und in der Folge zu Schäden an der Fassade führen. Diese gefährden die Bausubstanz und trüben die Optik. In der Regel gilt: Je komplizierter ein Detail ist, desto größer ist das Risiko, dass die Abdichtung fehlerhaft ist. Die Systemkomponenten einiger Hersteller bieten wesentliche Vorteile, um diesem entgegenzuwirken, z. B. mit Produkten, die werksseitig thixotropiert sind. Somit kann das Harz selbst auf senkrechten Flächen appliziert werden ohne abzugleiten. Für eine saubere und schnelle Detailabdichtung gibt es von manchen Anbietern bereits zugeschnittene Vlies-Formteile für die Außen- und Innenecken der Wandanschlüsse. Diese fügen sich passgenau an die komplizierten Geometrien an und erleichtern die Anwendung. Durch die Einarbeitung des Spezialvlieses in das flüssige Harz entsteht eine flexible Schicht, die dynamisch rissüberbrückend ist und Bewegungen der Konstruktion, die sich insbesondere bei Übergängen von Bauteilen auswirken, schadlos aufnimmt. Flüssigkunststoff-Lösungen eignen sich sowohl im Neubau als auch bei Sanierungen und können meist ganzjährig verarbeitet werden, selbst bei schlechter Witterung und kalten Temperaturen.

 

Barrierefreie Übergänge schaffen

Bei Wand- und Türanschlüssen sind Abdichtungen laut Regelwerk mindestens 150 mm über Oberkante Belag hochzuziehen. Allerdings lassen die geltenden Vorschriften eine Reduzierung der Anschlusshöhe auf 50 mm zu, wenn bestimmte zusätzliche Maßnahmen zum Feuchteschutz getroffen werden, wie der Einbau einer Entwässerungsrinne vor der Balkontür oder ein ausreichender Überstand. „Barrierefreie Übergänge erfordern abdichtungstechnische Sonderlösungen, die zwischen Planer, Türhersteller und Ausführenden abzustimmen sind“ – so formuliert es die Flachdachrichtlinie in Ziffer 4.4. Für diese Fälle kommen immer häufiger Abdichtungslösungen aus Flüssigkunststoff zum Einsatz, da ihre Aufbauhöhe nur wenige Millimeter beträgt. Aufgrund ihres geringen Flächengewichts kann das Material in der Regel ohne Abriss auf die vorhandene Oberfläche aufgebracht werden. Das spart wertvolle Arbeitszeit und Sanierungskosten. Flüssig verarbeitet, umschließt das Harz selbst komplizierte Formen wie ein Mantel und integriert Türanschlüsse homogen in die Abdichtung. Handelt es sich um einen Neubau, ist von Beginn an der Planer gefordert: Er muss ein ausreichendes Gefälle von mindestens 2 % zur Ableitung des Niederschlagswassers vorsehen (DIN 18195, Teil 9).

 

Den Untergrund begutachten

Die vollflächige Haftung auf dem Untergrund verhindert, dass Regen- und Tauwasser hinter die Abdichtung laufen können. Doch wie gelingt eine gute Verbindung zum Untergrund? Allgemein empfiehlt es sich, Komplettsysteme von einem Hersteller zu verwenden, da die Funktionen der einzelnen Schichten und Komponenten optimal aufeinander abgestimmt sind. Damit sie verarbeitet werden können, muss der Untergrund sauber, trocken und frei von Zementschleiern, Staub, Öl sowie Fett und anderen haftungsmindernden Verunreinigungen sein. Weitere Voraussetzungen definieren die Hersteller in ihren technischen Produktdatenblättern. Gibt es einen Materialmix, wie die Kombination von Beton auf dem Boden und Blech an den Wandanschlüssen, sollte u. a. die Wärmeausdehnung beachtet werden, die bei jedem Baustoff unterschiedlich ist. Bewegungen in der Konstruktion, die sich daraus ergeben, müssen vor der Entscheidung für eine Abdichtungslösung in die Planung mit einbezogen werden. Nur so ist die schadlose Aufnahme von Bauwerksbewegungen langfristig gesichert.

 

Flächen individuell gestalten

Die Abdichtung von Balkonen, Terrassen und Laubengängen sorgt nicht nur für einen funktionstüchtigen Bauwerksschutz, sie führt auch zu einer optischen Aufwertung der Fassade. Mit farbigen Versiegelungen lassen sich die Oberflächen nach individuellen Wünschen kolorieren. Zudem eröffnen die modernen Abdichtungstechnologien zahlreiche Gestaltungsmöglichkeiten mit Bodentattoos in Form von Bordüren, Ornamenten, Fliesenmustern oder Bildmotiven. Brillante Mischungen aus natürlichem Marmorkies und Polyurea-Harz dienen als Drainage und schaffen gleichzeitig mediterranes Flair. Durch verschiedene Einstreuungen in die Versiegelung kann die Oberflächenstruktur unterschiedlich rau ausgebildet werden. Mit Quarzsand oder speziellen Körnungen versehen, erfüllen die Böden die Kriterien bis zur Rutschhemmklasse R 12. Da die Harze schnell aushärten und in der Regel innerhalb eines Tages aufgebracht werden können, profitieren die Bauherren von einer zügigen Projektrealisierung.

 

Für Flucht- und Rettungswege geeignet

Flüssigkunststoff-Lösungen sind auch für die besonderen Anforderungen bei der Abdichtung von Laubengängen eine passende Wahl. Da diese meist als erster Fluchtweg im Falle eines Feuers ausgewiesen sind, dürfen dort ausschließlich schwerentflammbare Baustoffe aufgebracht werden. In der Praxis setzen Planer und Verarbeiter seit vielen Jahren Flüssigkunststoffe ein, die dieses Kriterium erfüllen. Durch spezielle Additive sind sie schwerentflammbar und somit für Flucht- und Rettungswege wie Laubengänge zugelassen. Ihre Eignung belegt die Einstufung des Brandverhaltens, z. B. in Klasse B1 nach DIN 4102 sowie in Klasse Cfl-s1 nach DIN EN 13501-1.

 

Professionell von der Planung bis zur Ausführung

Aufgrund der besonderen Eigenschaften des Harzes sollte dieses ausschließlich von geschulten Handwerkern eingesetzt werden. Einige Hersteller bieten eine Beratung vor Ort an, um Detailfragen bei der Planung und in der Ausführung zu klären. Nur fachgerecht applizierte Flüssigabdichtungen sichern die Leistungsfähigkeit und schützen die Fassade dauerhaft vor Schäden. Professionell verarbeitet, halten die Spezialharze Witterungseinflüssen sowie mechanischen und chemischen Belastungen dauerhaft stand.

 

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