Die steuerliche Behandlung von Kryptowährungen

Digitale Zahlungsmittel (Kryptowährungen) wie bspw. der Bitcoin erfreuen sich als Spekulationsobjekte zunehmender Beliebtheit – sowohl bei Unternehmen als auch bei privaten Anlegern. Abgesehen vom notwendigen kritischen und sehr vorsichtigen Zugang zum Umgang mit Kryptowährungen, können wir hier nur ein paar bilanzielle und steuerliche Aspekte bereitstellen und Ihnen generell mitteilen, was zu beachten ist.

 

Bilanzierung und Besteuerung bei doppelter Buchführung

Werden Kryptowährungen für das Betriebsvermögen angeschafft, müssen sich diese natürlich auch in der Bilanz wiederfinden – als Vermögenswerte auf der Aktivseite. Grundsätzlich gilt – wenn die Kryptowährung langfristig gehalten werden soll und dies auch dokumentiert ist, kann der bilanzielle Ausweis im Anlagevermögen erfolgen. Soll die Kryptowährung hingegen nur kurzfristig gehalten werden, hat der bilanzielle Ausweis im Umlaufvermögen (unter „sonstige Vermögensgegenstände“) zu erfolgen. Beim entgeltlichen Erwerb von Kryptowährungen sind die Anschaffungskosten im Zeitpunkt der Anschaffung anzusetzen. Der Kurs im Zeitpunkt des Kaufes wird als Anschaffungspreis herangezogen. Liegen die Wiederbeschaffungskosten am Bilanzstichtag unter den Anschaffungskosten, darf im Anlagevermögen eine Abschreibung vorgenommen werden, wenn die Wertminderung voraussichtlich nicht von Dauer ist (gemildertes Niederstwertprinzip). Bei einer voraussichtlich dauernden Wertminderung muss eine außerplanmäßige Abschreibung vorgenommen werden (Abwertungszwang) – das bedeutet, dass sich der Wertverlust voll auf das Ergebnis auswirkt. Bei einer Wertsteigerung erfolgt, auf Grund des Realisationsprinzips, die Erfassung erst dann, wenn die Gewinne realisiert – somit „umgetauscht“ wurden.

 

Werden Kryptowährungen als Zahlungsmittel verwendet, ist eine Währungsumrechnung wie bei einer Fremdwährung erforderlich.

 

Bei Körperschaften kommt ein Steuersatz von 25% (KÖSt) auf den Gewinn (Unterschiedsbetrag zwischen dem Betriebsvermögen zum Beginn und am Ende des Wirtschaftsjahres) zu tragen. Eine Steuerfreiheit auf einen Spekulationsgewinn nach 1 Jahr Haltefrist, gibt es – im Gegensatz zu Kryptowährungen im Privatvermögen – nicht. Die Besteuerung erfolgt somit „wie üblich“ im Zuge des Gewinnes/Verlustes der Gesellschaft.

 

Bei Einnahmen-Ausgaben-Rechner sind als Einkünfte der Kryptowährung der Unterschiedsbetrag zwischen Anschaffungskosten und dem Veräußerungserlös unter Berücksichtigung der Betriebsausgaben anzusetzen. Sollte es durch den Handel mit Kryptowährungen insgesamt zu einem Verlust gekommen sein, kann dieser unbegrenzt in Folgejahre vorgetragen werden und mit zukünftigen Gewinnen verrechnet werden. Steuerfreiheit auf einen Spekulationsgewinn bei einer Haltefrist von mehr als 1 Jahr besteht auch hier nicht.

 

Besteuerung bei natürlichen Personen im Privatvermögen

Kryptowährung ist ein sonstiges, unkörperliches Wirtschaftsgut und fällt im Privatvermögen grundsätzlich unter die Regelungen über Spekulationsgeschäfte. Der Verkauf ist ebenso steuerlich relevant, wie auch die Verwendung (Bspw. als Zahlungsmittel – hier ist eine Währungsumrechnung wie bei einer Fremdwährung erforderlich) bzw. der Tausch von einer Kryptowährung zur anderen (Bei der jeweils eine Anschaffung und eine Veräußerung – in Euro umzurechnen – vorliegt). Der Spekulationsgewinn ist dabei zu versteuern – wobei die Spekulationsfrist 1 Jahr seit Kaufzeitpunkt ist, nach der ein allfälliger Veräußerungsgewinn steuerfrei ist (aber auch Verlust steuerlich nicht verwertbar).

 

Wird hingegen innerhalb 1 Jahres verkauft, erhöhen allfällige Veräußerungsgewinne das steuerpflichtige Einkommen. Verluste und Gebühren innerhalb der Jahresfrist sind nur mit Gewinnen innerhalb der Jahresfrist gegenzuverrechnen.

 

Sind die Einkünfte aus Spekulationsgeschäften im Kalenderjahr nicht höher als EUR 440,- sind diese steuerfrei, darüber hinaus muss der komplette Spekulationsgewinn versteuert werden.

 

SLT Tipp: Dokumentation! Dokumentation! Dokumentation!

Vom ersten Kauf an sollten sämtliche Abschlüsse mit Kryptowährungen dokumentiert werden – egal, ob Sie Kryptowährungen im Betriebs- oder Privatvermögen halten! Es gibt mittlerweile entsprechende Tools und Software, die Ihnen bei der ordnungsgemäßen Dokumentation helfen.

 

Behandeln Sie Kryptowährungen mit Vorsicht! Der Handel mit den digitalen Zahlungsmitteln ist hochspekulativ, da diese extrem schwankungsanfällig sind und eher mit Glückspiel zu vergleichen, als mit einer sicheren Zahlungs- und Anlageform!

 

Weitere Tipps und Berechnungstools finden Sie auch auf unserer Homepage: www.slt.at

Sie haben Fragen? Zögern Sie nicht uns anzurufen (01/ 493 13 99) oder das kostenlose Erstgespräch zu nutzen. Wir freuen uns darauf!

 

Stand 21.07.2021

Foto: © Martin Lifka Photography
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Prof. Mag. Rudolf Siart (li.)

und Mag. René Lipkovich (re.)

 

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