Urlaub ist die schönste Zeit…

So wie im Berufsalltag können auch im Urlaub Pannen auftreten

 

Anhand eines konkreten Falles soll ein Einblick in die Rechtsmaterie geboten werden.

 

Ausgangspunkt ist folgender Sachverhalt: ein Mann bucht für sich, seine Lebensgefährtin und deren Kinder eine Flugreise in den Süden mit Hotelunterbringung. Nach einer abwechslungsreichen Woche mit Ausflügen bekommt der Mann Magenkrämpfe. In der zweiten Urlaubswoche sind Unternehmungen unmöglich – obwohl er sich Medikamente besorgt hat, bessert sich die Situation nicht und er muss sich dauerhaft in der Nähe eines WC aufhalten. Die Lebensgefährtin wagt sich mit ihren beiden Kindern (5 und 6 Jahre alt) nicht allein ans Meer, auch dem 12-jährigen Sohne des Mannes (Patchworkfamilie) wird der Spaß verdorben. Der Rest des Urlaubs muss im Hotel und am Pool verbracht werden. Nach der Heimkehr stellt sich heraus, dass der Mann eine Salmonelleninfektion erlitten hat. Zwangsläufig im Hotel, da er sich dank all-inclusive Urlaub nur dort ernährt hat. Die übrigen Familienmitglieder sind nicht erkrankt.

 

Das Pauschalreisegesetz gibt wesentliche Vertragsinhalte vor und regelt die Folgen von Leistungsstörungen. Voraussetzung für das Vorliegen einer Pauschalreise ist unter anderem, dass verschiedene Reiseleistungen aus mindestens zwei Kategorien kombiniert werden: Personenbeförderung / Unterbringung / Vermietung von Autos und Motorrädern / andere selbständige touristische und nicht unwesentliche Leistungen. Dies führt dazu, dass der Reiseveranstalter für sämtliche Reiseleistungen gewährleistungs- und schadenersatzrechtlich einzustehen hat. Eine wesentliche Erleichterung für Urlauber (das Gesetz gilt auch für erholungsuchende Unternehmer!).

 

Das Gesetz sieht Informationspflichten und zwingende Vertragsinhalte vor, regelt den Wechsel des Reisenden, Preisänderungen und Leistungsänderungen, sieht Rücktrittsrechte vor und regelt auch die Folgen von Leistungsstörungen.

 

Wichtig ist, dass der Urlauber beim Auftreten von Mängeln rügepflichtig ist. Wer das missachtet läuft Gefahr, sich ein Mitverschulden anrechnen lassen zu müssen, was zur Kürzung (nicht jedoch zum gänzlichen Entfall) der Ersatzansprüche führen kann.

 

Werden Reisemängel vom Veranstalter trotz Rüge nicht behoben (angemessene Ersatzunterkunft, etc.), steht eine Preisminderung zu oder ein Kostenersatz für den Mehraufwand, der durch eine angemessene Selbsthilfe entsteht. Als Orientierungshilfe für die Preisminderung wird u.a. die „Frankfurter Tabelle“ verwendet, die je nach Mangel einen bestimmten Prozentsatz vorsieht, bei verdorbenen (ungenießbaren) Speisen etwa 20 – 30 % vom Reisepreis (konkret nur) des Betroffenen, im Ausgangsfall also des erkrankten Mannes.

 

Darüber hinaus besteht eine schadenersatzrechtliche Haftung des Veranstalters, welche allerdings verschuldensabhängig ist. Ein verdorbenes „All-inclusive-Buffet“, das zu einem Brech-Durchfall und Bettruhe (oder eben einem Salmonellenbefall) führt, löst, weil (widerlegbar) von einem Verschulden ausgegangen wird, einen Schadenersatzanspruch für Heilungskosten (Medikamente, Behandlung) und Schmerzengeld aus.

 

Schließlich ist ein Schadenersatzanspruch wegen entgangener Urlaubsfreude denkbar. Bei der Bemessung dieses Ersatzanspruches ist insbesondere auf die Schwere und Dauer des Mangels, den Grad des Verschuldens, den vereinbarten Zweck der Reise sowie die Höhe des Reisepreises Bedacht zu nehmen. Das Gericht hat im Ausgangsfall basierend auf einem Gesamtreisepreis von rund Euro 2.350,00 dem Mann für die zweite Urlaubswoche einen Betrag von Euro 800,00 zuerkannt, allen weiteren Patchwork-Familienmitgliedern je Euro 320,00.

 

Ersatzansprüche können beispielsweise auch bei Verspätungen von Flugzeug oder Bahn bestehen. Zumindest ein finanzielles Trostpflaster ist also möglich zum Ausgleich eines Urlaubsärgers.

 

Dr. Clemens Ender

u.a. auf Baurecht spezialisierter Rechtsanwalt bei:

Giesinger, Ender, Eberle & Partner, Rechtsanwälte

Feldkirch – Altach – Lauterach

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Foto © Jens Ellensohn