EINzelunternehmen oder gesellschaft

Welche Rechtsform ist die richtige?

Wenn die Entscheidung getroffen wird, selbständig tätig zu werden, sollte man sich auch die Frage stellen, in welcher rechtlichen Form der Betrieb geführt werden soll. Dafür gibt es nun zahlreiche Möglichkeiten, die jeweils ihre Vor- und Nachteile haben. Vorweg kann man festhalten, dass es nicht die eine beste Unternehmensform gibt.

 

In der Regel beginnt das unternehmerische Tätigwerden in überschaubarem Umfang und viele Betriebe arbeiten zunächst sogar als Einmannbetriebe ohne Dienstnehmer, jedenfalls aber ohne Gründung einer Gesellschaft und somit im Rechtssinn als Einzelunternehmer. Die Tätigkeit als Einzelunternehmen ist zwar die einfachste und unkomplizierteste Form der unternehmerischen Tätigkeit, allerdings auch eine mit gravierenden Risiken verbundene. Als Einzelunternehmer haftet man persönlich für jede Verbindlichkeit des Unternehmens und dies nicht nur mit dem – steuerlich getrennt betrachteten – Vermögen des Unternehmens, sondern auch mit jedem Privatvermögen. Es ist daher dem Einzelunternehmen das Risiko immanent, dass bei Überschuldung oder sonstigen gravierenden Verbindlichkeiten Gläubiger auf private Liegenschaften, Ersparnisse etc. zugreifen können und dies in der Regel auch tun. Umgekehrt kann auch das florierende Unternehmen für private Verbindlichkeiten – bspw. aus der Vergangenheit – herangezogen werden. Bei Liegenschaften gibt es in gewissen Fällen die Möglichkeit, diesen Zugriff zu vermeiden, wenn rechtzeitig die richtigen Schritte gesetzt werden. Wenn die Schulden schon vorhanden sind, ist es in der Regel aber zu spät. Auch hier ist also vorausschauendes Handeln das Gebot der Stunde.

 

Dem gegenüber stehen die Vorteile einer deutlich vereinfachten Kostenstruktur, insbesondere auch in steuerlicher Hinsicht (bspw. Einnahmen-/Ausgabenrechnung anstelle von doppelter Buchführung, etc.). Es gilt also gut zu überlegen, ob der Betrieb eines Einzelunternehmens die richtige Betriebsform darstellt.

 

Spätestens ab einer bestimmten Betriebsgröße – mit der auch das Haftungsrisiko steigt und steuerliche Herausforderungen größer werden – empfiehlt sich jedenfalls die Gründung einer Gesellschaft. Diesbezüglich gibt es als – für klein- und mittelständige Unternehmen - in Frage kommende Formen die GmbH, die OG und die KG.

 

Am Häufigsten findet sich hier wohl die GmbH. Diese ist grundsätzlich die „sicherste“ Form der Unternehmerschaft, da ein Haftungsrisiko der Gesellschafter und Geschäftsführer, letzterer sofern er sorgfältig die Geschäfte führt, kaum gegeben ist. Die GmbH selbst haftet mit ihrem Vermögen, darüber hinaus können Gläubiger kaum Dritte belangen. Allerdings ist der Aufwand einer GmbH deutlich größer als der eines Einzelunternehmens. Dies beginnt bei den Gründungskosten, zeigt sich in den laufenden Kosten und endet bei einer allenfalls erforderlichen Liquidation des Unternehmens.

 

Eine offene Gesellschaft (OG) und Kommanditgesellschaft (KG) bringen eine „Mittelvariante“ zwischen GmbH und Einzelunternehmen, für Unternehmen mit geringerem Volumen, die diverse steuerliche Vorteile vergleichbar mit einer GmbH bringt, jedoch als Nachteil das Haftungsrisiko auch bei den Gesellschaftern belässt. Diese haften (bei der KG teilweise) solidarisch mit der Gesellschaft – und damit wiederum mit dem gesamten Privatvermögen.

 

Es ist also stets im Einzelfall sowohl rechtlich als auch steuerlich zu prüfen, welche Gesellschaftsform nun diejenige ist, die für den konkreten Betrieb geeignet ist. Gerade bei Wachstum des Betriebes kann es erforderlich werden, eine Änderung der Rechtsform zu überlegen. Dies ist im Grunde immer möglich. Einzelunternehmen, KGs oder OGs können bspw. in eine GmbH eingebracht werden. Mit einer derartigen Einbringung geht der Betrieb im Umfang der Einbringung auf die neue Gesellschaft über und kann diese unterbrechungsfrei weiterarbeiten. Für derartige Einbringungen bestehen auch diverse interessante steuerliche Begünstigungen, bspw. auch dann, wenn Betriebsliegenschaften Gegenstand der Einbringung sind. Auch bei Verkleinerung des Betriebes ist in umgekehrter Weise die Wahl einer einfacheren Unternehmensform möglich und zu empfehlen. Bei Änderung der Umstände sollte also nicht gezögert werden, die entsprechend sinnvollen Maßnahmen zu setzen.

 

Dr. Heinz Häupl

Rechtanwalt, allgemein gerichtlich beeideter Sachverständiger, beratender Ingenieur

 

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